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Himmel und Hölle – so nah beieinander

September 28th, 2007

Terra Incognita 2007. Zum zweiten Mal machten sich Thomas Raach und ich als Team Langlauf.Company auf nach Kroatien um an einem der anspruchsvollsten Adventure Races Europas teilzunehmen.

Nach den großen Buschfeuern dieses Sommers war das Rennen von Dalmatien wieder in die Gegend rund um den Paklenica Nationalpark verlegt worden in der es auch im Vorjahr stattgefunden hatte.

Karte

Nach dem diesmal auch bis zu uns durchgedrungen war, das die Autobahn auf kroatischer Seite nun durchgängig befahrbar ist, verlief die Anreise zügig, gab uns in den slowenischen Bergen aber schon einen Vorgeschmack auf die deutlich niedrigeren Nachttemperaturen. Als Race Headquaters stand das sehr empfehlenswerte Hotel Alan in Starigrad Paklenica zur Verfügung. Es ist immer wieder toll mitzuerleben, wie locker in anderen Ländern auch in einem relativ gehobenen Hotel mit den Wünschen und Sonderlichkeiten von Adventure Racern umgegangen wird. Das Internet Cafe wurde kurzherhand zur Bikestation, der Frisörsalon zum Kitbox-Lager. Auch das auf einmal seltsam gekleidete und radschuhbewehrte Sportler zwischen den übrigen Touristen durch die Lobby klapperten scheint niemand ernsthaft zu stören.

Das Racebriefing am Dienstagabend brachte erstmals die 29 Teams in einem Raum zusammen. Bei der Streckenvorstellung war für uns schnell klar, dass einige Highlights des letzten Jahres diesmal recycled wurden. Zum Glück verlief die Runde diesmal im Uhrzeigersinn entlang der vorgelagerten Insel Pag und durch das nördliche Velebitgebirge wieder zurück nach Starigrad. Schon hier taten uns die Füße weh bei dem Gedanken, dass die Trekkingetappen auf Pag diesmal noch länger sein sollten als im Vorjahr. Leider werden sich die Warnungen Simun Cimermans erfüllen, das die starke Bora uns noch einige Probleme bereiten sollte. Dank des guten Briefings, gab es kaum Fragen und mit einem sehr beeindruckenden Video der vergangenen Editionen wurden wir zum Abendessen an das Hotelbuffet entlassen. Am Mittwochmorgen konnten wir nochmal so richtig ausschlafen, der Start war für 15:00 geplant. So verlief auch das Packen der Boxen und Bike recht entspannt. Da es in den kommenden 3 Tagen nur 2 mal Zugang zu Kitboxen geben sollte, war eher das packen des Rucksacks eine Herausforderung. Der wechselhafte Wetterbericht und die starken Gewitter und Regenfälle des Vortages verursachten zusammen mit der Ankündigung von Minustemperaturen und möglichen Schneefällen in den Bergen für etwas Kopfzerbrechen.

 Kayak

Mit kurzer Verspätung und mit etwas Anspannung anbetracht der unvermindert anhaltenden Bora wurden wir mit den Kajaks auf die 1. Etappe nach Pag geschickt. Wir konnten uns schnell hinter den Führenden Roadrunners (DK) festbeißen. Leider verhinderten die schlechten Fahreigenschaften der im Adventure Racing üblichen Leihboot allerdings, dass wir uns nennenswert vom Hauptfeld absetzen konnten. In Kruscica wurden wir von der Bora und Simun nach nur 2h Renndauer gestoppt. Die Überfahrt nach Pag, obwohl nur 2.5km weit, hätte ansonsten bei den herrschenden Bedingungen wohl einige frühe Opfer gefordert.

Ruhnning 1

Nachdem wir mit Landrovern zum CP1 auf Pag gebracht wurden, folgte ein Neustart in die Abenddämmerung. Schon jetzt ließen die Temperaturen das Ende des Sommers fühlen. Zum Glück waren wir dank der Unterbrechung diesmal in trockenen Klamotten unterwegs. Auf dem knochenbrechenden Untergrund mussten wir schnell unseren 2. Platz räumen, die einheimischen Teams, und bemerkenswerter Weise die Dänen, flogen nur so über den schwierigen Untergrund. Kurz nach Mitternacht und mit 1:45h Rückstand auf die Führenden erreichten wir Pag. Das durch den Re-Start recht hohe Tempo hat bei mir schon deutliche Spuren hinterlassen, so dass ich erstmal nicht wirklich unglücklich bin, das das Rennen hier aufgrund der unvermindert starken Winde erneut unterbrochen wird. Eine Überfahrt in der Nacht zum nördlichen Teil von Pag scheint den Sicherheitskräften zu gefährlich. Diese sind nach einigen Unglücksfällen bei Waldbränden sehr angespannt und übervorsichtig.

Thomas und ich teilen uns einen Schlafsack irgendwo am Strand von Pag und zittern uns so durch die Nacht. Den Knistergeräuschen einiger anderer Rettungsdeckenbewehrter Teilnehmern nach, waren wir aber nicht am schlimmsten dran. Um 8:30 werden wir erneut durch eine flache Brandung gegen den Wind auf die Strecke geschickt. Diesmal können wir uns an die Spitze setzen, und diese auch gegen die paddelstarken Dänen recht entspannt behaupten. Leider währt das Vergnügen nur kurz und kurz vor den kritischen letzten 1.5km werden wir erneut gestoppt. Shit, diesmal wird nicht mal die Zeit genommen, so dass unsere Führung nur akademische Bedeutung hat.

Wenn es nicht im Rennen wäre, könnten die folgenden Stunden auf den Felsen richtig entspannend sein. Nicht einmal die Mädels im Bikini haben gefehlt (genau genommen war es nur eins, Gruß an Femke vom Team AMI (NL)) und standen im interessanten Kontrast zu den salzverkrusteten, neovermummten männlichen Teilnehmern. Nachdem doch ein Sicherungsboot den Bedingungen trotzen konnte, durften wir endlich weiter. Gegen die Welle spielten wir immer wieder U-Boot, konnten aber wieder einen Vorsprung herausfahren. Unsere stärksten Konkurrenten, auf dem Wasser, Roadrunners, hatten leider Pech als ihr Boot wegen eines fehlenden Ablassstöpsels fast absoff und sie auf das Begleitboot umsteigen mussten. Nachdem wir mit unserer schwimmenden Badewanne kurz vor den Wind abdrehen konnten, kam doch noch ein bisschen Spaß auf, wenn das Boot halbwegs vernünftig die Wellen absurfte.

Dank eines schnellen Wechsels, sollte es gut 20 Minuten dauern, bis uns auf dem schwierigen, felsigen Terrain die einheimischen Teams wieder überholten, allen voran unser Bekannter Elvir mit seinem Partner von Team Croatia 1. Diesen Teil der Insel kannten wir noch nicht und Simun hatte einige interessante Orientierungsaufgaben eingebaut und die Ceckpoints in einsamen Buchten versteckt. In der Dämmerung erreichen wir den Fährhafen und dürfen dieses steinige Eiland endlich verlassen. Leider liegen wir nur noch auf dem 8. Platz, haben aber das Glück, mit als Letzte die Insel auf eigenem Kiel zu verlassen. Ein erneutes Aufleben der Bora, lässt die letzten 200m zum Festland zu einer sehr langwierigen Angelegenheit werden und verschafft vielen anderen Teams eine Fährüberfahrt mit Zeitstrafe. Im Windschatten der Berge können wir recht entspannt bis Jablanac paddeln und dort leicht verfroren wieder das Festland betreten.

Thomas

Die zweite Nacht sieht uns beim Aufstieg in das nördliche Velebit Gebirge. Vorbei am CP12, einer Berghütte, über Forststraßen und durch eiskalten Nebel. Früh morgens erleben wir den Sonnenaufgang auf total vereisten Steinen und unglaublicher Aussicht. Leider können wir den Blick kaum vom Boden heben, so fordert und der vereiste Grat und Weg. Technisch war dies sicher eine der anspruchsvollsten Passagen und einige Team versucht durch taktische Schlafpausen hier erst später am Tag vorbei zu kommen. Eine Art Naturlehrpfad führt uns zum CP 16 den wir später noch mal per Bike zu besuchen hatten. Eine bei mir dringend notwendige Tasse Kaffee auf der Hütte macht noch mal so richtig wach. Trotzdem tun wir uns mit der Navigation auf dem Weg zu TA2 in Krasno etwas schwer.

Ab hier haben wir alle Ausrüstung für die verbleibenden 3 Stages mitzunehmen. Auf dem Bike geht es auf ähnlichen Wegen wie schon im Vorjahr Richtung Süden. Die 3. Nacht macht uns auch wieder mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt bekannt  und wir haben fleißigen Besuch von den Sleepmonsters. Trotz der starken OL Lampen kommen wir nur langsam voran, den anderen Teams geht es aber auch nicht besser. Als uns die schweren Rucksäcke schon arg in den Sattel drückten erreichen wir das Rad-Depot und wechseln in die mitgebrachten Laufschuhe.

Den spärlichen Markierungen folgend steigen wir Richtung südliches Velebit auf. In Fallinie geht es den Berg hinauf, der Wegebauer muss ein rechter Sadist gewesen sein. Auch als das Gelände flacher wird, tasten wir uns im Schein der Stirnlampe von Markierung zu Markierung. Früh morgens schauen Flechten aus wie Wegpunkte, wie Pilze, wie Smilies, wie....

Kurz vor Sonnenaufgang haucht unser letzter Akku für die Lampen sein Leben aus und wir müssen noch eine Stunde ungeplanten Schlaf mitnehmen. Mit dem ersten Licht machen wir uns mit einem kroatischen Team wieder auf den Weg und wechseln auf den großen Lichtungen mehrfach die Positionen. Nach endlosem Abstieg endlich wieder am Meer für die letzten 2 Stunden im Boot bis zum ersehnten Ziel. Leider machen wir einen klassischen Parallelenfehler und finden uns in der falschen Bucht wieder so dass wir noch 4km auf der nun schon glühend heißen Uferstraße neben nicht wirklich an Fußgänger gewöhnten Autofahrern zum Wechselpunkt laufen müssen.

Sieger

 Das kroatische Team ist uns ca. 20 Minuten enteilt und somit trotz unserer Überlegenheit auf dem Wasser nicht mehr einzuholen. Erstaunt sind wir, als kurz hinter uns Team German 2 (lt. Simun: German Tourists) einläuft. Zum glück sind wir besser auf den Wechsel vorbereitet und sitzen nach wenigen Minuten im Boot. Thomas kämpft noch mal kurz mit den Sleepmonstern und nach guten 1:35 erreichen wir das Ziel am Strand vom Hotel Alan. Wir werde mit lauwarmem Champagner empfangen und trotz des 9. Platzes lassen wir uns die Brühe genüsslich durch die Kehle rinnen.

Ein hartes aber abwechslungsreiches Rennen wird am nächsten Tag mit einer feierlichen Siegerehrung am Pool beendet. Glückwunsch an die dänischen Sieger Coastzone/Loberen und auch das erste Mixed Team Salomon Suisse. Dank an Simun Cimerman für ein tolles Rennen.

Entry Filed under: Adventure Racing

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